großer Hund und kleiner Engel

Ich war also bei 35 Grad auf der Mariahilferstraße. Das ist die Straße in Wien, die ich wirklich nur sehr selten aufsuche, nämlich dann, wenn ich etwas Bestimmtes besorgen muss.

Ich war fröhlich und gut gelaunt, mir wurde klar, dass Maria hier wirklich viel zu helfen hätte, -die Beobachtung der Spezies Mensch im Einkaufsrausch lies mich endlich verstehen, warum diese Straße so einen wunderbaren Namen hatte.

Zielsicher ging ich zu dem Geschäft, wo ich das benötigte Mal-Utensil abholen wollte.

Ich musste bei einem Café vorbei, das voller Menschen war. Unter den Sonnenschirmen dampfte  Wiener Gesellschaft bei Eiscafé und gekühlten Softdrinks in großen schwitzenden Gläsern.

Am kochenden Boden- so etwas wie ein irischer Wolfshund., also ungefähre Größe: 1,50m x 1,20 m – eine Seele von einem Tier! Vor sich hin hechelnd in dieser Sauna. Sein langer riesiger Schwanz ragte dorthin, wo die vielen unachtsamen Menschen vorbeiflanierten. Sein Frauchen völlig vertieft in den riesen Eiscafé mit Schlag, Schokostreuseln und Strohhalm vor sich auf dem Mini-Tischchen. Am Boden- keine Wasserschüssel.

Ich nahm sofort Kontakt auf- so ein liebes Wesen! Und am verdursten. Hmm.. was tun? Die Dame an dem Tischchen, das spürte ich sofort, würde mich sehr schroff abweisen, wenn ich etwas sagen würde. Ich versuchte also die Kellnerin zu erwischen, entschuldigte mich: „ich weiß, sie denken, es geht mich nichts an, aber dieser Hund braucht wirklich dringend Wasser. Wäre es möglich, dass sie ihm einfach eine Schüssel hinstellen?“ Die Kellnerin zischte, wenn sie irgendwann Zeit hätte, ich sehe doch wie viel sie zu tun hätte, zuerst kämen mal die Menschen dran, und überhaupt ginge mich das nichts an, und sie sei Tierlieb, aber..

Ich lächelte sie an, und meinte: „ und wenn ich eine Bestellung aufgebe für ihn, und diese auch bezahle? Ob sie dann das Wasser bringen würde?”  – Schlechter Vorschlag! Nun begann sich die Kellnerin lauthals aufzuregen.

Während ich- immer noch lächelnd – vor der tierlieben Kellnerin stand, hatte sich der kleine Bub vom Nebentisch des Eiscafés, das Gespräch verfolgend, auf zu dem Hund gemacht, der ungefähr 2 mal so groß war wie er selbst, und hielt dem Hund sein Glas vor die Nase. Der Wunderbare Große begann ganz zart, vorsichtig und dankbar den Apfelsaft mit seiner riesigen Zunge aus dem kleinen Glas zu schlecken.

Nun schrie auch noch die Mutter, danach auch der Eiscafé.

Hund und Kind ließen sich nicht beirren, der Saft war weg. Der kleine Bub lächelte glücklich zuerst den Hund und dann mich an. Ich zwinkerte wissend- er blinzelte zurück.

Nun kam die Kellnerin gelaufen- mit der Schüssel Wasser. Alles beruhigte sich, in die Stille schlabberte der Hund gierig.

Ich winkte dem kleinen Engel und der großen Fellnase, der Engel winkte zurück- die Fellnase wohl auch, hätte sie gekonnt – und ging weiter meines Weges.