Rituale und Hingabe

Ich befinde mich also als einer der Teilnehmer eines Workshops  mit anderen im Kreis stehend um eine Sophia-Statue, eine Zeremonie der Erdheilung zelebrierend. Wie so oft bei Ritualen überkommt mich meine berühmte „Un-heiligkeit“  (darüber werde ich noch einmal berichten), und ich betrachte langsam die Runde.

Geschlossene Augen, konzentrierte Gesichter. Ich überlege. Ich bin auch immer sehr konzentriert wenn ich mit Wesen arbeite, die krank sind, vor allem bei Notfällen. Und wenn ich ströme? Das fühlt sich ganz leicht an. Meine letzte Erdheilung? Das war ein kranker sterbender Wald, das war ein wenig traurig. Hmm.. Also was stimmt mit mir jetzt nicht? Ich frage die Erde. Die wollen wir ja schließlich gerade heilen. Was stimmt hier nicht, Erde? Warum fühlt sich das gerade so schwer und gar nicht nach Heilung an?

Meine Gedanken durchbricht das Bellen des jungen Hundes Leo, auch ein Teilnehmer; also eigentlich der Hund der Organisatorin. Ein kurz zuvor gerettetes dünnes Häufchen Wesen.

Er hat einen Schmetterling entdeckt. Voller Lebensfreude will der nun gejagt werden. Leo hüpft selbstvergessen dem bunten Flattern nach, springt und läuft, nichts anderes ist mehr wichtig, nur der Schmetterling.

Schmetterlinge sind Botschafter der Engel, sie durchlaufen und lehren Transformation, und können mit einem zarten Flügelschlag den Orkan am anderen Ende der Welt auslösen.

So ein Schmetterling flattert vor Leos Nase. Und Leo gibt sich hin. Völlig und ganz. Das Jetzt. Das Hier. Freudvollste innige Hingabe an den Augenblick voller Schmetterling.

DAS ist Heilung. Freude im Jetzt. DAS fühlt sich gut an, und leicht, und richtig, und ich denke, lasst uns alle einem Schmetterling folgen, tanzend fröhlich durch die Wiese, voller Hingabe an die Schönheit dieses einen Augenblicks.

Und schon wäre die Erde (und wir alle) geheilt.

Geschenke…

Unterwegs zu einem Termin gehe ich den Gehsteig entlang. Vor mir öffnet sich ein Haustor, ein Wolfshund hüpft heraus, strauchelt auf der einen Stufe, die vor der Türe auf den Gehweg führt. Noch im freien Fall rappelt er sich rasch auf und dreht sich unfassbar gleichzeitig um. Ein Mann kommt aus der Türe, jedoch die Frau dahinter wird von dem Tier fixiert. Der Hund gibt einen Laut von sich, kein Bellen, eher ein Ruf; dabei schaut er von der gefährlichen Stufe zur Frau, wieder zur Stufe, wieder zur Frau, noch so ein Ruf-Laut. Als der Mann und die Frau beide das Haus sicher verlassen haben, ohne irgendetwas zu bemerken, dreht sich der Hund wieder um, und hüpft fröhlich den Gehsteig entlang, vor seinen beiden Menschen. Ich stehe noch länger alleine still auf dem Gehsteig, berührt von dieser klugen Bedachtsamkeit, die dieses wunderbare Wesen gezeigt hat.

Die einzige Sorge bei seinem Ausrutscher war wohl, seinem Frauchen könnte das auch passieren. Und dieser Laut, war so eigen, so voller Warnung, Fürsorge, Liebe, Achtung und Besonnenheit. Nur ein Tier? Wenn du ausrutscht, ist das Erste was du tust, schnell darauf zu achten, dass es dem hinter dir nicht auch passiert?

Man muss nicht Tierkommunikation lernen und studieren, oder die Psychologie der Tiere verstehen. Mit offenem Herzen durch die Welt gehen, und das Herz wird zu deinen Augen, zu deinen Ohren; und du beginnst zu sehen, zu hören und zu verstehen. Die Langsamkeit in dieser schnellen Welt lässt uns erkennen, wie verbunden wir alle sind; und die Berührung mit der Welt der Tiere ist wie eine Berührung mit uns selbst, mit dem Schönen und kindlich Unschuldigem, aber auch oft mit dem ehrlich Wilden in uns.

Auch Tiere sind Geschenke des Himmels. Wir haben lediglich die Herausforderung die vielen unzähligen Geschenke, die wir erhalten, zu erkennen, und zu achten. Vielleicht werden wir dann auch zu den Geschenken, die wir ursprünglich sind.